Waza / Technik

Grundlagen

Zu den grundsätzlichen technischen "Spezialitäten" des Shoto-Kempo-Ryu zählen typische Stellungen (Tachikata; bes. Shiko-Dachi), Stoßtechniken (Tsuki-Waza; bes. Ippon-Ken und Tate-Tsuki), Schlagtechniken (Uchi-Waza; bes. Shuto-Uchi), Armabwehrtechniken (Te-ude Uke-Waza; bes. als Hebel eingesetzt), Tritttechniken (Keri-Waza), Beinfegetechniken (Ashi-Barai-Waza; bes. auch Würfe) und Beinabwehrtechniken (Ashi-Uke-Waza; bes. Ashibo-Kake-Uke).

Weitere Besonderheiten des stilübergreifenden, damit technisch äußerst vielseitigen Karatedo-Systems zählen vor allem der ganz extreme Hüfteinsatz (z.B. aus Shiko-Dachi in Gyaku-Tsuki/Zenkutsu-Dachi), die Gleichzeitigkeit von Konter- und Gegenangriff (z.B. Nagashi-Uke/Tate-Tsuki oder Soto-Kake-Uke/Tate-Tsuki/Fumikomi-Geri), die Anwendung von Kombinationsketten (möglichst mit Abschluß Ashi-Barai oder Kani basami mit Tsuki/Geri), die psycho-physische Betonung der Elemente (nach dem I-Ging wie "Feuer, Erde, Wasser, Luft und Metall" in allen Kihon-, Kumite- und Kata-Bewegungen) sowie im Kobudo (Bo, Tonfa, Sai und Katana-Jutsu). Es werden neben historischen Karate-Kata eigene Shoto-Kempo-Ryu-Kata (vor allem im Hart/Weich-Wechsel - Goho/Juho) gelehrt.

Hintergrund

Shoto-Kempo-Ryu Karatedo basiert auf der Schule des traditionellen Shorinji-Karatedo, das ursprünglich von dem japanischen Großmeister Doshin So als Shorinji-Kempo (in Anlehnung an die originäre chinesische "Shaolin"-Kampfkunst) entwickelt wurde und auf zenbuddhistischer Tradition fusst. Shoto-Kempo-Ryu Karatedo ist wiederum eine Interpretation und Weiterentwicklung von Dr. Jörg-Michael Wolters Sensei, der langjähriger Praxis als Karatedo-Lehrer (6. DAN) sowie intensiver wissenschaftlicher Erforschung des traditionellen Budo dieses System als eine technisch vielfältigere Ableitung konzipierte:

Bei Beibehaltung der wesentlichen Lehrinhalte in Theorie und Praxis des traditionellen, originären Karate-Do sowie der geistigen Anforderungen an den Schüler im Sinne des Budo beinhaltet das System des Shoto-Kempo-Ryu Karatedo Karatetechniken ganz unterschiedlicher Schulen und Richtungen (Ryu). Da hier keine stilistischen bzw. jeweils stil-typischen Reduzierungen der Karate-Stände, -Schritte, -Schläge, Stoß-, Tritt- und Block-Techniken oder Kumite- (Kampf-) und -Kataformen mehr vorgenommen werden, ist Shoto-Kempo-Ryu Karatedo ein stil-"übergreifendes" Karatedo-System.

In ihm sind Techniken ansonsten konkurrierender Stile integriert, so daß neben den alten "Shaolin-Ch´üan" - Kampfmethoden bzw. Shorinji-Kempo, dem Okinawa-Te (Shuri-Te und Tomari-Te als Shorin-ryu, Naha-Te als Shorei-ryu) auch Techniken des japanischen Shotokan-ryu, Wado-ryu, Goju-ryu und Shito-ryu-Karate sowie anderen zusammengefaßt und einem verbindenden Lehrsystem vereinigt sind.

Beispielsweise bilden die tiefen Stellungen und kraftvollen-dynamischen Bewegungsprinzipien des Shotokan mit seinen vielen Kata-Fromen den soliden Grundstock des Shoto-Kempo-Ryu Karatedo, der jedoch um die flexiblen, gleichsam hart-weichen und besonders die Atmung und innere Kraft (Ki) betonenden Prinzipien des Goju-ryu und Wado-ryu ergänzt wird.

Aus dem Kempo-Karate wiederum ist die Betonung gleichzeitiger Block- und Konteraktionen und der Fußfegevarianten im Kampf übernommen. Hebel-, Griff-, Wurf- und Haltetechniken, die heute besonders im Judo oder Jujutsu praktiziert werden, aber auch im ursprünglichen Karate-Do vorkamen, sind in das Shoto-Kempo-Ryu Karatedo -System integriert worden. Das betrifft auch die nachgebenden Umlenkungsmanöver des Aikido oder die im infight effektiven Offensiv- und Nahdistanz-Techniken des Wing Tsun Kung Fu (Kettenfauststösse und Chisau), die hier wieder auf der Grundlage karate- und kempospezifischer Bewegung (Kakie) und Taktik (Go no sen, Sen no sen) zur Anwendung kommen.

Neue Techniken können nicht mehr "erfunden" werden - wohl aber eine eigenständige Theorie und Praxis ihrer Anwendungen und Kombinationen zu einem in sich logischen, effektiven und letztlich auch autonomen System. Die Bewegungsprinzipien und darauf basierenden eigenen Kata (Formen) haben so einen unverwechselbaren, einzigartigen Charakter.

Der Umgang mit den traditionellen Kobudo- oder auch Samurai-Waffen wie Bo, Tonfa, Sai oder Bokken und Katana ist ebenfalls Bestandteil des umfangreichen Lehr- und Prüfungsprogramms des Shoto-Kempo-Ryu Karatedo. T'ai Chi Chuan (Yang-Stil) sowie Za-Zen-Meditation erweitern die "äußeren", eher harten Karatedo-Aspekte durch fließende und ruhige, mentale Wahrnehmung wie Konzentration schulende, d.h. "innere" und weiche Aspekte zu einer ganzheitlichen Kampfkunst-Schulung.